20. März 2015

#Rückblick:
Wie wir einmal ein Magazin machten.

Text: Svenja Reiner   Foto: Svenja Reiner

#Utopie

1. Seid ein ausgeglichenes Team. Jede macht so viel sie kann.

2. Es gibt so etwas wie einen Artikel, den man zusammen schreibt.

3. Redaktions- und Zeitpläne sind in der Führung nervig und beim Stressabbau hilfreich.

4. Videos schneiden ist eine große, zeitintensive und für immer unterschätzte Kunst.

5. Es gibt Artikelideen und dann gibt es fertige Artikel. Manchmal erkennst du den Zusammenhang nicht, aber manchmal ist das auch großartig.

6. Es gibt so viele junge Menschen, die so viele kluge Dinge schreiben können. Auch wenn (oder gerade weil) das nicht seit 70 Jahren ihr Forschungsschwerpunkt ist.

7. Du kannst unendlich viele Stunden im Backend deiner Webseite verbringen.

8. Du kannst unendlich viele Stunden beim verliebten Scrollen über deine Webseite verbringen.

9. Du schreibst überall die URL deiner Website hin und bist trotzdem erstaunt, wenn Menschen sie tatsächlich öffnen und dich darauf ansprechen.

10. Habe schöne Visitenkarten. Selbst Menschen, die kein Interesse an dir oder dem Magazin haben, kommen nicht umhin ein gutes Design und eine angenehme Haptik zu bewundern.

11. Du kannst erstaunlich viele Dinge googeln. Erstaunlich. Viele.

12. 50 Facebooklikes fühlen sich wenig an. Aber wenn du dir vorstellst, dass 50 Leute etwas angeguckt haben, das du gemacht hast, fühlt es sich wieder gut an.

13. Dein Bruder hat vielleicht kein Urteil parat, aber mit großer Wahrscheinlichkeit findet er dein Magazin aus Prinzip trotzdem gut. 

#Dystopie

14. „Und was macht ihr die ganze Zeit?“

15. „Schreibt ihr das alles selber?“

16. „Könnt ihr über xyz schreiben?”

17. Jede vorläufige Zusage von Autoren und Illustratoren wird gefeiert und gefürchtet, denn in der nächsten Email musst du schreiben, dass es kein Geld gibt.

18. Alles dauert länger als gedacht. Auch wenn der Artikel schon fertig ist.

19. Es gibt keine wirkliche Kartei von Nachwuchsillustratoren und -künstlern. Gehe auf Rundgänge und Ausstellungen und sprich alle an oder stecke zumindest ihre Visitenkarten ein.

20. Führe improvisierte Interviews nur, wenn alle dazu Bier trinken und sie nachts stattfinden. Bereite alle anderen Interviews in Inhalt und Ablauf vor. Spontaneität in Interviews lernst du gefühlt erst nach 10 Jahren Interview-Führen. Wir waren relativ unspontan.

21. Unterschätze. Niemals. Den. Aufwand. Von. Social. Media.

22. Jede Email, egal wie schnell sie geschrieben ist, kann bequem zum To-Do-Listen Punkt und auf „morgen“ verschoben werden.

23. Beim zehnten Anschreiben vergisst du, worum es in Deinem Magazin eigentlich geht.

24. Für Autoren und deren Management ist es anstrengend deine Anfragen abzusagen, sodass gern die kuriosesten Gründe generiert werden: „Ihr schreibt Person xy nur an, weil sie erfolgreich ist!“ – Diese Absage kam als Reaktion auf unsere Anfrage, ob besagte Person über seinen Durchbruch berichten wollen würde.

#standpunktgrau

25. Es ist nicht einfach herauszufinden, wo die ganzen Beuys-Schüler stecken.

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