13. Oktober 2014

#Recherche:
Nils Frahm, das Publikum und wir.

Text: Rebecca Baasch   Foto: Svenja Reiner

25.09.2014, 20 Uhr. Kölner Philharmonie. Wir recherchieren. Mit dabei: Pressekarten, Fotoakkreditierung, Diktiergerät, Kameras, iPad und Neugier.

Vielleicht ist das, was wir heute erleben werden, die Rettung des klassischen Konzerts. Nils Frahm spielt in der Kölner Philharmonie, unser Magazin widmet ihm und dem Konzertformat der Zukunft im Februar einen Beitrag.

Er hat eine klassische Klavierausbildung, komponiert seine Stücke selbst und bespielte in diesem Sommer diverse Pop-Festivals. Aus unserer Sicht eine spannende Kombination, die uns zur Recherche veranlasst.

Nils Frahm – unser liebster „T-Shirt-und-Turnschuh-Pianist“. Und kein Scherz, für das Konzert in der Kölner Philharmonie trägt der 32-jährige ein graues T-Shirt, eine dunkle Jeans und schwarze Turnschuhe. Naja, eigentlich ist es nur ein Schuh. Kurz nach Konzertbeginn wird der linke abgestreift und liegt von da an einsam auf der Bühne. Sockfuß spielt es sich scheinbar besser.

Wir machen uns vor dem Konzert mit dem Publikum vertraut. Wir wollen verstehen, wer gleich mit uns im Saal sitzt und warum. Schnell wird klar: Frauen haben Angst vor Diktiergeräten, denn sie mögen ihre Stimme nicht. Einsam wartende Menschen lassen sich eher auf ein Gespräch ein als Gruppen. Und: von leger über hip bis hin zu festlich – die Konzertbesucher scheuen weder Jutebeutel noch Perlenkette. Die königsblaue Uniform und die Namensschilder der Philharmonie-Mitarbeiter wirken dagegen deplatziert und steif.

Den grandiosen Konzertabend könnte eines noch toppen: ein Interview mit Nils Frahm. Unsere Interviewanfrage beim Management des Künstlers hatte nur mäßigen Erfolg. Vier Tage vor dem Konzert bekommen wir lediglich die Gelegenheit angeboten, ihn nach dem Konzert am Merch-Stand abzufangen. Hört sich erstmal gut an, lässt sich in der Realität dann aber nicht umsetzen. Die Fan-Traube vor dem kleinen Tisch im Foyer wird einfach nicht kleiner, unsere Zugabfahrt jedoch rückt immer näher.

Wir verlassen die Philharmonie ohne Interview und ohne Nils Frahm Selfie. Wir nehmen drei Köpfe voller Eindrücke, Fotos und O-Töne der Besucher mit nach Hause. Und werden die nächste Interviewanfrage früher stellen.

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